Pressemitteilung: Erster Spatenstich für das neue Museum

Erster Spatenstich für das neue Museum
Stiftung baut Museum für die „Wiedenbrücker Schule”

Rheda-Wiedenbrück (pbm). Der erste Spatenstich ist getan: Für das neue Museum der „Wiedenbrücker Schule”, das zugleich kulturelle Begegnungsstätte werden soll, nahmen die Vertreter der Museumsstiftung symbolisch die Bauarbeiten auf.

Bürgermeister Bernd Jostkleigrewe, der den Anstoß zur Umnutzung der Altarwerkstatt zum Museum gab, ist froh, nach langen Bemühungen einen wichtigen Schritt gemacht zu haben. Er dankte allen Stiftern, besonders der Familie Höner, die unter anderem das Gebäude und Grundstück in die Stiftung einbringt, für Ihren erheblichen finanziellen und ideellen Einsatz.

Rund ein Jahr lang werden die Bauarbeiten in der ehemaligen Altarbauerwerkstatt Diedrichs und Knoche benötigen, bevor hier ein Museum entsteht, dessen Schwerpunkt die kirchliche Kunst der so genannten „Wiedenbrücker Schule” ist.

Die „Wiedenbrücker Schule” ist eine Kunstrichtung, die etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wiedenbrück entstanden ist. 1854 gründete Franz Anton Goldkuhle seine eigene Werkstatt, die sich auf Kircheneinrichtungen spezialisierte. Die gute Auftragslage führte zu einer ständig steigenden Zahl von Mitarbeitern. Von diesen machten sich ebenfalls mehrere selbständig und blieben im Fach. Da sie in ähnlicher Form arbeiteten, konnte man bald von der „Wiedenbrücker Schule” sprechen - zumal sich Wiedenbrück im 19. Jahrhundert zu einem Zentrum des kirchlichen Kunstgewerbes entwickelte.

Die zeitweise 20 Werkstätten und Ateliers fanden ihre eigenen Spezialgebiete (Altarbau, Maler, Bildhauer) arbeiteten jedoch häufig gemeinsam für ihre Auftraggeber. Im Laufe der Zusammenarbeit entstand Kirchenkunst geradezu in Fließbandproduktion und erschloss sich immer größere Märkte. Nach wenigen Jahren exportierten die Kunsthandwerker ihre Produkte bis nach Übersee.

Jahrelang waren die Künstler der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt, die um 1900 auch nur rund 1900 Einwohner hatte. Das Hauptgebiet blieb die Sakralkunst, zusätzlich entstanden weltliche Bilder, Denkmale und Statuen. Weltberühmt wurden die Werke auch dank der Franziskaner, deren Ordensbrüder nach Nordamerika gingen und dort Kirchenkunst aus Westfalen einführten.

Da die Kirchen die Hauptauftraggeber für die Wiedenbrücker Werkstätten blieben, mußten sich die Kunsthandwerker in ihren Arbeiten dem kirchlichen Zeitgeschmack weitgehend unterordnen. So wie in der Kirchenarchitektur lehnte man sich auch in der Innenausstattung an das mittelalterliche gotische Formenrepertoire an (Neugotik). Die bedeutendste Schaffensperiode der heimischen Künstler ist dem Historismus zuzuordnen.

Gerade diese Kunstrichtung geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, da sie als zu volkstümlich, kitschig und wenig bedeutsam angesehen wurde. Viele Kirchen verloren deshalb im Laufe der Zeit wertvolle Teile ihrer Innenausstattung. Was damals in Vergessenheit geriet, soll in Zukunft nicht nur in verschiedenen Kirchen wieder einen ehrenvollen Platz erhalten. Stadt, Heimatverein und bedeutende Unternehmer, die der Stiftung beigetreten sind, wollen in der ehemaligen Altarbauerwerkstatt Diedrichs und Knoche eine einmalige Erlebnisstätte schaffen.

Gerade das alte Gebäude ist hervorragend geeignet, da es seit der Aufgabe des Werkstattbetriebes keine baulichen Veränderungen erfahren hat. Direkt vor der Werkstatt steht dazu das reich verzierte Wohnhaus der Altarbauer. Die stolzen Bauherren verzierten seine Fassade mit vielfältigen Werken aus dem breiten Querschnitt ihrer künstlerischen Arbeit. Architekt Frank Hurlbrink leitet den Umbau der Altarwerkstatt. Die Kunsthistorikerin Katrin Winter erstellt das künstlerische Konzept. Neben der Altarbaukunst findet in dem Gebäude das Heimatmuseum seinen neuen Standort. Es kann zugleich als kulturelle Begegnungsstätte genutzt werden.

Die Stiftung wird den Aufbau und Betrieb des Museums finanzieren. Voraussetzung für die Stiftungsgründung waren die Förderzusagen des Landes NRW, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der NRW-Stiftung. Die öffentlichen Institutionen waren von der Bedeutung des Museumsprojektes überzeugt und stellten die notwendigen Mittel bereit. Die Fachleute des Landschaftsverbandes stufen das vorgeschlagene Museum mit dem Schwerpunkt „Wiedenbrücker Schule” als „entscheidende Bereicherung der westfälischen Museumslandschaft” ein.

Text: Martin Pollklas, Stadt Rheda-Wiedenbrück