St. Ida, Lippetal- Herzfeld

Nov 12th, 2008 | Kategorie: Kirchen

Neugotik: St. Ida, Herzfeld
Schon aus der Ferne fällt die in den Jahren 1901 bis 1903 im neugotischen Stil errichtete Wallfahrtskirche St. Ida in Herzfeld auf. Die dreischiffige Basilika mit hohem Westturm, Querhaus und polygonalem Chorschluss. Die Kirche ist der dritte Kirchenbau, der in Herzfeld der Hl. Ida geweiht wurde. (Bild 2 )Um 800 stiftete die fränkische Gräfin Ida den ersten, karolingischen Vorgängerbau, der als einfache Saalkirche ausgeführt wurde. Dieser Bau wurde im 13. bzw. im 16. Jahrhundert im Bereich des Chores erweitert. (Optional hier Vita der Heiligen Ida?)

Vita:
Ida von Herzfeld (4. September Münster, Paderborn) stiftete die Kirche von Herzfeld, wo sie nach dem Tod ihres Mannes, des Sachsenherzogs Egbert, in großer Frömmigkeit mit Werken der Nächstenliebe bis zu ihrem Tod 820 lebte. Eine spätmittelalterliche Legende berichtet, wie ein von Jägern verfolgter Hirsch bei ihr Schutz sucht. Dieser und das Kirchenmodell von Herzfeld sind ihre beiden Attribute.

Die Idee zum Neubau der Wallfahrtskirche St. Ida kam bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, nachdem das Platzangebot in der romanischen Kirche der gestiegenen Zahl der Gläubigen und dem Zeitgeist nicht mehr entsprach. (Bild 3)

Der Gelsenkirchener Architekt Lambert von Fisenne (1852 – 1903) entwickelte 1896 einen Plan für den Neubau der Wallfahrtskirche als Gesamtkunstwerk im Stile der Neugotik.

Gemäß dem Konzept des Gesamtkunstwerkes entwickelte Fisenne auch die Pläne für die Innenausstattung. Im Mai 1903 konnte die Kirche, die von der Firma Sunder-Plassmann ausgeführt wurde, geweiht werden.

Nahezu sämtliche Holzarbeiten, wie z. B. Altäre, Chorgestühl oder Kommunionbänke wurden bis 1904 nach seinen Entwürfen ausgeführt. (Bild 4 Blick nach Osten auf den Hochaltar)
Fast alle Arbeiten wurden von Wiedenbrücker Werkstätten und Ateliers übernommen
Der Hochaltar wurde von der Altarbauwerkstatt Becker-Brockhinke und die beiden Nebenaltäre (Passionsaltar und Josefsaltar) von der Altarbauwerkstatt Diedrichs & Knoche ausgeführt. Die dazugehörigen Reliefs stammen vom Bildhauer Heinrich Hartmann. Die Gemälde für den Hochaltar und die Nebenaltäre lieferte Johannes Grewe und die Tafelbilder auf der Rückseite der Flügel stammen vom Maler Anton Waller.

(Bild 5 Blick auf den Hochaltar, ev. Detailbilder der einzelnen Reliefs)

Der 5/8-Chor mit seinen bedeutenden Glasfenstern von 1902 aus der Werkstatt Carl Hertel und Lersch, Düsseldorf umrahmt den neugotischen Flügelaltar. Dieser folgt im Aufbau der klassischen spätgotischen Ordnung eines Flügelaltars. Über der steinernen Mensa befindet sich die Predella mit Tabernakel. Zu beiden Seiten des Tabernakels sind die zwölf Apostel dargestellt. Auf den Tabernakeltüren die Verkündigung an Maria. Oberhalb des Tabernakels finden sich die Expositionsnische und darüber der sog. Gnadenstuhl. Gottvater weist seinen gekreuzigten Sohn, den er zur Erlösung der Menschheit hingegeben hat, vor. Über ihm ist die Taube als Sinnbild des heiligen Geistes zu sehen. Alle drei bilden zusammen das Sinnbild der Trinität. In den vier Ecken des Reliefs sind die vier Evangelistensymbole angeordnet.

Vier großformatige Reliefs mit den Darstellungen der Anbetung der Weisen, die Hochzeit zu Kana, das Letzte Abendmahl und die Auferstehung Christi zeigen die Hauptszenen des Flügelaltars. Bekrönt wird der Altar von einem hohen dreitürigen Gesprenge in zierlichsten gotischen Formen, die den segnenden Auferstandenen mit der Siegesfahne sowie die heilige Klara mit Monstranz und St. Barbara mit Kelch, Buch und Schwert umrahmen.
Bild Passionsaltar
Im südlichen Seitenschiff steht der Passionsaltar. Hier wurden fünf spätgotische Passionsbilder aus der Werkstatt des Evert von Roden (bis 1987 Notname Meister des Osnabrücker Johannisaltars) und ein neugotisches Relief von Heinrich Hartmann von der Altarbauwerkstatt Diedrichs & Knoche neu gefasst und aufgestellt. Die spätgotischen Reliefs zeigen „Christus fällt unter dem Kreuz”, „Dornenkrönung”, „Grablegung” und „Auferstehung”. Sie werden im mittleren Teil von der „Beweinung Christi” und von der neugotischen Arbeit „Maria auf dem Kreuzweg” ergänzt. Der Aufbau des Passionsaltars steht auf einer steinernen Mensa mit der Darstellung von Moses und vier Propheten.

Bild Josefsaltar
Im nördlichen Seitenschiff befindet sich der rein neugotische Josefsaltar aus der Werkstatt Diedrichs & Knoche. Auf der steinernen Mensa mit den Bildern von Johannes Grewe ist „Flucht nach Ägypten”, „Heilige Familie”, „Maria und Josef Jesus suchend” zu sehen. Darüber die hölzernen Reliefs die „Trauung von Maria und Josef”, das „Häusliche Leben in Nazareth” und der „Tod des Heiligen Josef” zu sehen. Ein reduzierteres Gesprenge rundet den Seitenaltar ab.

Bild Kanzel, Bild Immerwährende Hilfe,
Die Kanzel, die immerwährende Hilfe, zwei Beichtstühle sowie zwei Chorstühle und die Rahmungen der Kreuzwegstationen wurden 1903 von der Werkstatt Diedrichs & Knoche gefertigt.

Zusammen mit der aufwendigen, den Stilcharakter der Spätgotik aufnehmenden Verglasung aus der Werkstatt von Carl Hertel und Lersch Düsseldorf von 1902 und der kunstvollen Innenausstattung bildet die neugotische St. Ida-Kirche nach einer umfassenden Restaurierung im Jahr 2003 wieder ein in sich geschlossenes und stimmiges Ensemble, wie es für den historistischen Kirchenbau typisch war.

Bild 1
Die St. Ida-Kirche ist ein gutes Beispiel für die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach im ländlichen Raum errichteten „westfälischen Dorfdome”. Diese in monumentaler Größe ausgeführten Pfarrkirchen sind das Produkt des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwunges, der sich im 19. Jahrhundert als Ergebnis der rasch fortschreitenden Industrialisierung abzeichnete, aber auch des neuen Selbstverständnisses der katholischen Kirche nach den Wirren des Kulturkampfes.

Jahr Objekt Altarbauer Bildhauer Maler Bemerkung

1903

Hochaltar + Becker-Brockhinke H. Hartmann Joh. Grewe

1903

2 Seitenaltäre +

Diedrichs und Knoche H. Hartmann Joh. Grewe

Kanzel +

Immerw. Hilfe +

2 Beichtstühle +

2 Chorgestühle +

12 Stationsrahmen +

Sakristeischrank +

Diedrichs und Knoche

1903

4 Evangelistensymb.

1 Engelkopf

1 Pelikan

H. Hartmann

1903

Tafelbilder auf Rückseite des Hochaltars + Anton Waller

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