Franz Anton Goldkuhle geb. 8.Juli 1827; gest. 13. Juni 1906

Aug 21st, 2008 | Kategorie: Künstler A-Z

Franz Anton Goldkuhle wurde am 8. Juli 1827 in Wiedenbrück geboren und absolvierte von
1841 bis 1845 eine Lehre als Kunsttischler in Warendorf. Schon während seiner Ausbildungszeit zeigte sich sein Talent als geschickter Holzschnitzer: er verzierte Truhen mit Ornamenten, gestaltete Haustüren und schnitzte Kruzifixe. 1854 kehrte er nach Wiedenbrück zurück und eröffnete 27-jährig eine eigene Kunsttischlerwerkstatt.

Einen Rückschlag erlebte Goldkuhle, als am 3-4.Oktober 1857 sein Haus Wasserstrasse 12 abbrandte. Neben seinem Haus wurden 13 Wohnhäuser und 3 Wirtschaftsgebäude im Wert von insgesamt 32.000 rtl vernichtet.

Goldkuhle verzog in die Marienstrasse 18.

Von dem wirtschaftlichen Verlust konnte er sich durch seine gute und solide Arbeit  wieder erholen. Er hatte sich einen guten Ruf erworben, so dass er seine Werkstatt auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machte.
In den Jahren 1863/64 führte Goldkuhle den Hochaltar für die Wiedenbrücker Franziskanerkirche aus. Durch diesen Auftrag bekam er Kontakt zu dem Architekten und Kirchenbaumeister Gerhard August Fischer aus Barmen, der in dieser Zeit an der Kirche baute. Aus dieser Verbindung erwuchsen für Goldkuhle zahlreiche Anschlussverträge, oftmals beauftragte Fischer ihn sogar mit der Herstellung kompletter Kirchenausstattungen. Die Geschäfte liefen schließlich so gut, dass sich Goldkuhle ganz auf die Herstellung von sakralen Inneneinrichtungen spezialisieren und 1865 bereits 25 Mitarbeiter beschäftigen konnte.

Durch die gezielte Anwerbung von talentierten Bildhauern, Ornamentikern und Malern konnte er das künstlerische Niveau seiner Werkstatt entscheidend steigern und zudem sein Produktangebot erweitern. Zu denjenigen, die bei Goldkuhle mitarbeiteten bzw. bei ihm ausgebildet wurden, gehörten u.a. der Ornamentiker Theodor Brockhinke, die Bildhauer Anton Mormann und Christoph Siebe sowie der Maler Franz Georg Goldkuhle. Aufgrund der außergewöhnlich guten Auftragslage und hohen Nachfrage nach sakralem Kunsthandwerk eröffneten viele der bei Goldkuhle beschäftigten Kunsthandwerker schließlich eigene Werkstätten in Wiedenbrück. Theodor Brockhinke machte sich 1868, Franz Georg Goldkuhle 1870 und die Bildhauer Mormann und Siebe 1877 selbständig.

Bis in die 1880er Jahre blieb Franz Anton Goldkuhle mit seiner Werkstatt durchaus erfolgreich, konnte aber in Bezug auf die Qualität der künstlerischen Ausführung kaum mit den Werkstätten seiner ehemaligen Schüler und Mitarbeiter Brockhinke oder Mormann konkurrieren. Auch sein Sohn Franz, der in den achtziger Jahren die Werkstatt übernommen hatte, konnte nicht mehr an den Erfolg früherer Jahre anknüpfen.

Franz Anton Goldkuhle versuchte 1894 noch einmal, den künstlerischen Ruf seiner Werkstatt zu verbessern, indem er den Bildhauer Bernhard Hoetger verpflichtete. Hoetger, der seine Zeit in Wiedenbrück als „Fron- und Sklavenjahre” bezeichnete, verließ die Werkstatt jedoch nach nur einem Jahr wieder und wurde in Bremen einer der großen Bildhauer des Jugendstils (vgl. Böttcherstraße).

Im Jahr 1901 wurde die Werkstatt schließlich verkauft und vom neuen Besitzer in eine Möbelfabrik umgewandelt.

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