Heinrich Püts, Bildhauer geb. 15. Januar 1882; gest. 30. März 1962)

Aug 26th, 2008 | Kategorie: Künstler A-Z

Heinrich Püts besuchte von 1896 bis 1900 die Kunstgewerbeschule im niederländischen Roermond. Danach studierte er bis 1903 an den Kunstakademien in Antwerpen und Köln. Nach Studienreisen durch Frankreich, Belgien und Österreich arbeitete er ab 1903 als erster Modelleur bei Anton Mormann in Wiedenbrück.

1912 machte er sich mit einer eigenen Werkstatt für sakrale Holz- und Steinbildhauerei selbständig. Mit zunehmendem Erfolg konnte Püts bis zu fünfzehn Mitarbeiter beschäftigen. Gleichzeitig leitete er die 1908 gegründete Wiedenbrücker Modellier- und Zeichenschule.


Bildquelle: Heinrich Püts, Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück, S 14 Vorbereitung Publikation Wiedenbrücker Schule

Nach dem Ersten Weltkrieg fand er durch die Auseinandersetzung mit den aktuellen Kunstströmungen zu einem ganz persönlichen Stil, der ihn zunehmend vom Historismus löste. In sich ruhende Darstellungen und eine vereinfachte Formensprache sind charakteristisch für die Arbeiten dieser Zeit. 1921 wohnte Heinrich Pütts im Haus Klingelbrink 20.

Deutliche Einflüsse der Moderne weist auch der Leuchterengel auf, der im  „Wiedenbrücker Schule” zusehen sein wird. Der Engel dokumentiert den sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollziehenden Stilwandel und leitet über zur künstlerischen Nachfolge der Wiedenbrücker Kunsthandwerker.

Der Engel flankierte einst zusammen mit einem spiegelbildlichen Pendant die überlebensgroßen Relieftafeln des 1942 ausgeführten Hochaltares der St. Aegidius-Kirche in Wiedenbrück. Bekrönt wurde der Altar von einer überlebensgroßen Christusfigur.

Im öffentlichen Raum sind mehrere Arbeiten von Heinrich Pütts vorhanden. Besonders interessant ist die Geschichte seines Herz-Jesu-Brunnens. Josef Mellage stiftete den Brunnen. Mellage mußte um diese Stiftung machen zu können, einen halben Garten verkaufen um den Künstler bezahlen zu können. Der Brunnen wurde  1915 gefertigter und stand bis 1963 auf dem Kirchplatz. Dort wurde er im Zuge der Umgestaltung des Platzes abgebaut. Der Auftrag die Säule zu zerschlagen wurde nicht ausgeführt. Statt dessen wurde die Säule vergraben. 1981 gruben Meßdiener die Säule wieder aus. Sie wurde im Garten des St. Aegidius Jugendhauses wieder aufgestellt. Allerdings ohne die Brunnenumfassung, so dass aus dem Herz-Jesu-Brunnen jetzt, die Herz-Jesu-Säule wurde.

Bild: Heidi Kellermann

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