Geschichte des Hauses
Das aus dem Jahre 1904 stammende und inzwischen denkmalgeschützte Werkstattgebäude der Altarbildhauer Bernhard Diedrich und Franz Knoche, das mit dem reich verzierten und bereits 2005 restaurierten „Wiedenbrücker Künstlerhaus” ein Ensemble bildet, ist die neue Ausstellungs- und Begegnungsstätte „Wiedenbrücker Schule Museum”. Die beiden Bauherren und Firmeninhaber der Altarbauwerkstatt Diedrichs & Knoche sind zum inneren Zirkel der Wiedenbrücker Schule zu zählen.
Der in Oelde geborene Bernhard Diedrichs (1861 - 1912) absolvierte in den Jahren 1875 bis 1879 eine Lehre als Kunsttischler in der Altarbauwerkstatt Theodor Brockhinkes, in der er auch noch unter dessen Nachfolger Anton Becker tätig war.
Franz Knoche (1870 - 1942) stammte aus Wadersloh und ging ebenfalls bei Theodor Brockhinke in die Lehre (1884 - 1888). Nachdem er dort einige Zeit beschäftigt blieb, schloss er ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Erkelenz an. Danach arbeitete er nach eigener Aussage „in mehreren Kunstgeschäften” (handschriftlicher Lebenslauf), bevor er sich zusammen mit seinem Schwager Bernhard Diedrichs in Wiedenbrück mit einer eigenen Altarbauwerkstatt selbständig machte.
Aufgrund der außergewöhnlich guten Auftragslage lief der Betrieb in den ersten Jahren sehr gut und mehrere Gehilfen konnten eingestellt werden. Infolge der allmählich rückläufigen Tendenz im Bereich des sakralen Kunsthandwerks und wegen zu hoher Verschuldung beim Bau des von den Firmeninhabern bewohnten Hauses an der Rietberger Straße, musste die Werkstatt jedoch zu Beginn des Ersten Weltkrieges geschlossen und verkauft werden.
Bernhard Diedrichs erlebte den Verkauf nicht mehr, da er bereits 1912 in Wiedenbrück verstarb. Franz Knoche verließ nach Aufgabe der Werkstatt Wiedenbrück und ging nach Berlin, wo er 1931 eine Stelle als Buchhalter annahm.
Historische Luftaufnahme des Künstlerhauses aus den 70er Jahren, Bildquelle Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück
Um 1923 wurde das Haus und die hinteren Gebäude von der Möbelfirma Dreier als Produktionsstätte genutzt.
Das Haus und das Grundstück wurde nach dem Eingehen der Altarbaufirma von dem Bauunternehmen Eustermann gekauft und bis in die 70er Jahre als Wohnhaus für ausländische Mitarbeiter genutzt.
Bereits 1982 wurde das Künstlerhaus und die umgebenden Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Diese Unterschutzstellung wiederholte sich 1991 bei der Übernahme des Ensembles durch die Stadt Rheda-Wiedenbrück. Die verkaufte es 1997 an den jetzigen Eigentümer.
2002 wurde über die Verwendung und den möglichen Abriss des Werkstattgebäudes diskutiert.
Seit 2005 ist das Ensemble des Künstlerhauses an der Rietberger Strasse nun wieder komplett für Wohnen und Kultur vorgesehen. Der Eigentümer ließ das Haus fachkundig und denkmalgerecht restaurieren und gehört zu den Gründern der Stiftung Wiedenbrücker Schule.
